Bankenbranche im Wandel – was bedeutet das für die Ausbildung?

Interview mit der Ausbildungsleiterin Sabine Leuthner

In der Bankenbranche ist gerade einiges im Umbruch – uns ist beispielsweise aufgefallen, dass es weniger Auszubildende gibt als noch vor wenigen Jahren. Was hat das für Gründe und ändert sich dadurch die Ausbildung? Wir wollten das genauer hinterfragen und haben deshalb unsere Ausbildungsbeauftrage Sabine Leuthner um ein Interview gebeten.

Frage: Wie erklären Sie sich den Rückgang der Anzahl an Auszubildenden oder der Bewerbungen generell?

Sabine Leuthner:
Das hat aus meiner Sicht mehrere Gründe.
Zum einen besteht bei jungen Menschen mit Fachhochschulreife oder Abitur – die den Großteil unserer Bewerber ausmachen – der gesellschaftliche Druck, mit diesem Abschluss studieren zu müssen. Vor allem Vollzeitstudiengänge unmittelbar nach dem Abschluss werden oft als das Maß aller Dinge wahrgenommen, stehen ganz oben auf der Liste und damit in unmittelbarer Konkurrenz zu einer klassischen Ausbildung.

Zum anderen gibt es deutschlandweit mit rund 8.000 Bachelor-Studiengängen und über 300 anerkannten Ausbildungsberufen eine unvorstellbare Vielzahl von Möglichkeiten; allein im Bereich BWL hat man mittlerweile aus unglaublichen 450 unterschiedlichen Fachrichtungen die Qual der Wahl.

Natürlich trägt das schlechte Image der Banken seit der Finanzkrise und die Medienberichterstattung unter anderem zu den Themen Niedrigzinsphase und Digitalisierung ebenfalls seinen Teil dazu bei. Immer wieder höre ich auf Job-Messen, in Schulen oder auch im privaten Umfeld die Frage „Wozu brauchen wir Banken überhaupt noch?“;  auch in den Medien taucht diese Frage immer wieder auf.

Und schließlich haben viele junge Menschen persönlich kaum noch Berührungspunkte mit Banken und sie kommen deshalb garnicht auf die Idee, eine entsprechende berufliche Karriere anzustreben.

Unsere Ausbildungsleiterin Sabine Leuthner beim Beantworten unserer Fragen

Frage: Wie passen Sie Ihre Ausbildungsplanung an die sinkende Anzahl von Bewerbern an und was ändert sich dazu auch für Sie persönlich und für Ihre Arbeit?

Sabine Leuthner:
2018 und 2019 werden nach und nach zahlreiche Veränderungen in der Ausbildung Einzug halten, die aber weniger mit rückläufigen Bewerberzahlen, sondern viel mehr mit den grundlegenden Veränderungen im Zuge der Digitalisierung zu tun haben. Gerade deshalb halten wir an unseren Anforderungen an eine erfolgreiche Bewerbung fest. Denn am Ende des Tages geht es um die Identifikation mit dem eigenen Job und mit uns als Unternehmen. Auch wenn dies zur Folge haben kann, dass wir – wie im Jahr 2017 geschehen – nicht alle Ausbildungsplätze besetzen können.

Was die Änderungen für mich persönlich anbelangt, so hat sich die Zahl der Bewerbungs-Gespräche zunächst ganz entscheidend reduziert. Waren es bis 2015 rund 80 bis 100 Gespräche pro Jahr, so liegen wir mittlerweile bei 30 bis 40, Tendenz fallend. Die Zahl der Gespräche ist für den Erfolg der Auswahl aber nicht entscheidend, sondern deren Qualität.

Auch hier nehmen meine Kollegin Katharina Berk und ich grundlegende Veränderungen wahr. Viele Bewerber setzen sich nur noch bedingt mit sich selbst und ihrer Berufsorientierung auseinander – was zugegebener Maßen auch nicht einfach ist – und die Suche nach geeigneten Bewerbern zusätzlich erschwert.

Frage: Was denken Sie, ist die größte Veränderung bezogen auf das Anforderungsprofil, das ein Bewerber mitbringen muss, im Vergleich zu vor 5 bis 10 Jahren?

Sabine Leuthner:
Lassen Sie mich anders herum beginnen: Was bleibt gleich? Die Freude am Umgang mit Menschen gepaart mit einem hohen Maß an Kontakt-, Kommunikations- und Begeisterungsfähigkeit, Engagement sowie Leistungs- und Veränderungsbereitschaft.  Die Anforderungen im Hinblick auf persönliche Flexibilität sind zukünftig maßgeblich und eine technische Affinität unabdingbar.

Frage: Neben den von Ihnen bereits genannten Eigenschaften. Was bringt für Sie der „perfekte Bewerber“ noch mit?

Sabine Leuthner:
Zunächst ist es wichtig, dass der Bewerber sich schon mal inhaltlich  mit dem praktischen Teil von Studium und Ausbildung auseinandergesetzt hat und sich für wirtschaftlichen Themen interessiert. Außerdem wünschen wir uns eine nachvollziehbare, kundenorientierte und persönliche Motivation des Bewerbers, diesen Weg einzuschlagen.

Wer sich für eine Bankausbildung bewirbt sollte auf jeden Fall Interesse für wirtschaftliche Themen mitbringen

Auch mit den konkreten beruflichen Zielen nach erfolgreichem Abschluss sollte sich ein Bewerber ein Stück weit auseinandergesetzt haben, er sollte die Philosophie der Volksbank Freiburg kennen und unsere Werte teilen. Hört sich vielleicht für den einen oder anderen sehr anspruchsvoll an, wer aber ein Praktikum bei uns absolviert hat, ist auf diese Fragen schon ein Stück weit sehr gut vorbereitet. Zu guter Letzt sind die sozialen Kompetenzen ganz wesentlich; ideal sind Bewerber die sich beispielsweise in Vereinen engagieren und / oder Erfahrungen im Dienstleistungsbereich mitbringen.

Frage: Was ist für Sie ganz persönlich das Schönste an Ihrem Beruf?

Sabine Leuthner:
Ich habe immer schon gerne mit jungen Menschen zusammengearbeitet und das vor meiner Freiburger Zeit lange als aktives Mitglied eines Tischtennisvereins getan. An meinem Job gefällt mir zum einen, dass ich junge Leute beim Einstieg und ein Stück des Weges ihrer beruflichen Karriere begleiten und in ihrer persönlichen Entwicklung unterstützen darf. Zum anderen ist es immer wieder spannend zu sehen, wie sich Azubis und Studierende – insbesondere unter den Fittichen der ABBs – während ihrer Ausbildung weiterentwickeln. Das wird mir in jedem Jahr ganz besonders bei ihren tollen Abschlusspräsentationen vor Vorstand und Führungskräften bewusst. Mitzuerleben, wie sie im Anschluss an Ausbildung bzw. Studium ihren beruflichen Weg bei uns Stück für Stück weitergehen und zu sehen, welche Karrieren sich daraus in den vergangenen 15 Jahren ergeben haben, ist einfach toll.

Frage: Wie entspannen Sie sich nach einem anstrengenden Arbeitstag?

Sabine Leuthner: Bewegung an der frischen Luft ist für mich der beste Ausgleich – ganz gleich ob zu Fuß oder auf dem Rad. Auch Musik spielt für mich eine große Rolle; Gitarre spielen, singen oder tanzen machen den Kopf frei.

 Wir danken Frau Leuthner für Ihre ausführlichen Antworten.

Nadine Krüger

macht seit 2016 bei der Volksbank Freiburg die Ausbildung zur Finanzassistentin und wohnt in Betzenhausen. Sie kocht gerne und liebt Großbritannien – zuletzt war sie in Schottland unterwegs.

Marvin Deimel

macht seit 2016 bei der Volksbank Freiburg die Ausbildung zum Finanzassistent und wohnt in Pfaffenweiler. Er liebt die italienische Küche, besonders Lasagne, und geht gerne ins Kino.

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

4 × 1 =