Das erste Mal im Anzug

Wie viele Menschen stand auch ich einige Tage vor dem Abiball vor der Entscheidung: Was ziehe ich an. Zuvor hatte ich noch nie einen Anzug getragen, daher fiel mir diese Entscheidung zusätzlich schwer. Schlussendlich wurde es dann ein typischer, dunkelblauer Anzug mit weißem Hemd und Fliege.

Einige Monate später war es dann soweit: Die Ausbildung sollte in wenigen Tagen losgehen und ich musste mich zunehmend mit dem Gedanken anfreunden, ab sofort jeden Morgen Krawatte und Anzug anzuziehen. Am ersten Tag musste Mama natürlich noch schnell ein Foto machen und dann ging es auch schon auf den Bus. Auf dem Weg zur Arbeit zog das Outfit auffallend viele Blicke auf sich. Ich fühlte mich, als sei ich der erste Mensch, den die Leute jemals im Anzug gesehen hätten. Anders als beim Abiball war ich jetzt nicht einer von vielen, der ein Anzug trug – nein ich war ganz alleine.

Aber auch dieses Gefühl verschwand mit der Zeit und ich fühlte mich wieder wohl im Bus, da die Blicke vermutlich doch nicht so extrem waren wie es mir anfangs vorgekommen war. Jetzt merkte ich aber einen anderen Nebeneffekt immer stärker – wenn ich durch die Stadt lief, grüßten auf einmal eine Großzahl der anderen „Anzugträger“, ohne dass man sich jemals zuvor gesehen hatte. Auch wenn ich in einen x-beliebigen Laden ging, wurde ich direkt anders behandelt, einfach nur weil ich einen Anzug trug.

Wenn man im Anzug durch die Stadt läuft, wird man auf einmal von anderen "Anzugträgern" gegrüßt, auch wenn man sie gar nicht kennt

Einen weiteren Vorteil bringt die tägliche Kleidungsfrage mit sich: Es gibt nicht mehr die Überlegung, ob ich heute einen grauen oder blauen Pulli anziehe und welche Hose am besten dazu passen könnte. Morgens wird einfach der Anzug und ein Hemd angezogen. Aber schneller geht es dadurch auch nicht wirklich, da das Krawattenbinden immer noch etwas Zeit und Nerven beansprucht.

Bei allem Lob des Anzugs muss man der Wahrheit jedoch trotzdem in die Augen blicken – denn der Sommer wird kommen und dann gibt es wahrlich bessere Optionen als einen Anzug.

Moritz Bange

macht seit 2017 bei der Volksbank Freiburg die Ausbildung zum Finanzassistenten und kommt aus Hochdorf. Er spielt für den FC Emmendingen in der Verbandsliga und schaut in der übrigen Freizeit gerne Filme und Serien – am liebsten „Der Hobbit“ und „Suits“.

1 Kommentar
  1. Sabine Leuthner sagt

    Lieber Herr Bange,
    Ihre Lieblingsserie “Suits”, passt – zumindest was eine der deutschen Übersetzungen mit “Anzügen” anbelangt – perfekt zu Ihrem Blog :-).
    Herzliche Grüße
    Sabine Leuthner

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