Immobilienmarkt Freiburg: Wenn Attraktivität zum Problem wird

„Ich kenne niemand, der Freiburg nicht toll findet!“ Diese Worte von Manuela Weigel, Bereichsleiterin ImmobilienCenter bei der Volksbank Freiburg, machen deutlich, warum die Schwarzwald-Metropole als Wohnort so beliebt ist. Freiburg ist eine der am schnellsten wachsenden Großstädte Deutschlands – inzwischen leben rund 228.000 Menschen hier. Vor allem junge Leute wollen in die Universitätsstadt, die 2012 zur nachhaltigsten Stadt der Republik gewählt wurde.

Die schöne Landschaft ringsherum schätzen alle, wohnen wollen die meisten aber doch in der Stadt. Das führt dazu, dass seit Jahren die Grundstückspreise und Mieten in Freiburg steigen – bezahlbarer Wohnraum ist knapp. Eine Entwicklung, die vor allem junge Familien, aber auch Studenten und Senioren trifft. Wie es um den Immobilienmarkt in Freiburg bestellt ist? Warum das Thema die Menschen so polarisiert? Und welche Alternativen es für diejenigen gibt, die keinen passenden Wohnraum finden – darüber und mehr haben wir mit der Immobilien-Spezialistin Manuela Weigel gesprochen.

Frau Weigel, was macht den Immobilienmarkt in Freiburg so besonders im Vergleich zu anderen Großstädten?

Manuela Weigel: Freiburg ist Green City, Studentenstadt und einfach wunderschön. Ich kenne niemand, der Freiburg nicht toll findet. Aus dieser Attraktivität ergibt sich, dass Freiburg seit vielen Jahren Zuzugsgebiet ist und das auch in Zukunft bleibt – was wiederum ein Grund dafür ist, dass die Nachfrage nach Wohnraum das Angebot bei weitem übersteigt. Vor allem viele junge Familien leiden darunter und müssen in der Stadt häufig lange nach geeignetem Wohnraum suchen. (Auch interessant: Immobilienmarkt in Freiburg – Expertenrunde)

Welche Immobilien-Typen sind derzeit in Freiburg besonders gefragt?

Manuela Weigel: In erster Linie werden familientaugliche Wohnungen und Häuser mit ausreichend Zimmern gesucht. Darüber hinaus ist die Nachfrage nach altersgerechtem Wohnraum sehr hoch – also barrierefreie, kleinere Wohnungen sowie Wohnungen mit Teil-Betreuung. Und ein dritter Schwerpunkt sind kleinere Studentenwohnungen – auch für Kapitalanleger – sowie größere Wohnungen, die auch WG-geeignet sind.

Ist der Immobilienmarkt tatsächlich so leergefegt, wie viele meinen?

Manuela Weigel: Zumindest wird das von vielen so empfunden. Auf der anderen Seite stellen wir bei der Volksbank fest, dass auf dem Gebraucht-Immobilienmarkt immer wieder sehr viel Bewegung ist und wir in Freiburg insgesamt eine rege Bautätigkeit zu verzeichnen haben. Es entstehen also immer wieder Neubauten und die Herausforderung, genügend und vor allem bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, steht auch im politischen Fokus.

Bild: Andreas Schwarzkopf – Wikimedia CC BY-SA 3.0

Warum polarisiert das Thema Immobilien die Menschen so in Freiburg?

Manuela Weigel: Ich glaube, das Thema polarisiert immer, weil Immobilie immer auch Emotion ist. Es ist Zuhause, es ist Statussymbol und egal ob ich letztendlich miete oder kaufe: Es ist mein Lebensmittelpunkt. Darüber hinaus ist es ein Grundbedürfnis der Menschen, schön zu wohnen. Und wenn die Menschen dann feststellen, dass das, was sie an Wohnraum benötigen, mit den vorhandenen Gehältern kaum zu bezahlen ist, dann macht das was mit den Menschen. Es schürt Emotionen, man ist enttäuscht und frustriert und empfindet das Ganze als ungerecht. Umso schöner ist es dann natürlich, wenn wir Menschen am Tisch haben, die etwas Passendes gefunden haben. Und sie dabei begleiten dürfen, wie sie sich ihren Wohn- und Lebenstraum erfüllen.

Welche Tipps haben Sie für Menschen, die in Freiburg eine Immobilie suchen?

Manuela Weigel: Die üblichen Internet-Portale sind immer hilfreich, um sich einen Überblick zu verschaffen und ein Gefühl für Preise zu bekommen. Parallel sollten Suchende eine Auswahl an Maklern ansprechen und bei denen auch eine konkrete Suchanfrage stellen. Mein Rat dabei: Die Kriterien nicht zu eng – aber auch nicht zu weit zu fassen! Wenn man sich sowohl Altbau als auch Neubau vorstellen kann, dann sollte man sich das auch offenlassen. Eine Mindestanzahl an Zimmern bzw. Wohnfläche hilft natürlich ebenfalls. Und es ist sinnvoll, wenn man ein bestimmtes Budget inklusive Ober- und Untergrenze vorgibt. Ansonsten gilt: streuen, streuen, streuen – also sowohl das private als auch das berufliche Netzwerk nutzen!

Warum ist das so?

Manuela Weigel: Weil die meisten Makler – auch wir bei der Volksbank Freiburg – Käufer und Verkäufer oft bereits zusammenführen, bevor wir mit einem Angebot in öffentliche Medien gehen. Das ist manchmal auch der Wunsch der Verkäufer, dass ihre Immobilie nur in einem kleineren Rahmen beworben wird. In diesem Zusammenhang noch ein Geheimtipp, der vielen noch nicht so bekannt ist: Auf wohnverdient.de, einer Immobilien-Plattform von „Badische Zeitung“ (BZ) in Kooperation mit den Sparkassen und Volksbanken, finden sich zahlreiche regionale Immobilienangebote.

Immer mal wieder taucht der Vorschlag auf: Wer in Freiburg selbst nichts findet, soll doch ins Umland ziehen. Ist das aus Ihrer Sicht eine Alternative?

Manuela Weigel: Die Frage, in Freiburg direkt wohnen oder ins Umland gehen, spaltet die Lager. Es gibt viele Menschen, die können es sich nicht vorstellen außerhalb von Freiburg zu wohnen. Das muss man akzeptieren. Gleichwohl erhöhen sich die Chancen, etwas Schönes zu finden, wenn ich bereit bin ins Umland zu gehen. Hier meine Empfehlung: Einfach mal ins Umland reinschnuppern, sich mit Menschen vor Ort unterhalten oder für ein paar Tage eine Ferienwohnung in dem Dorf mieten. Dann bekommt man schnell ein Gefühl dafür, wie es sich in dem Dorf lebt.
Stichwort Breisgau S-Bahn: Wir haben zum Glück die Situation, dass wir eine sehr gute Verkehrsanbindung nach Freiburg haben. Ich stelle immer wieder fest, dass man aus dem Umland genauso schnell in Freiburg ist, wie wenn man von der einen Seite von Freiburg durch Freiburg hindurch auf die andere Seite der Stadt möchte. Das macht zum Teil zeitlich kaum einen Unterschied. Wenn ich mir also grundsätzlich vorstellen kann, im Umland zu leben, könnte dies eine gute Alternative sein.

Einpendler nach Freiburg Stadt – die vier stärksten Umkreis-Regionen (Stand Juni 2017)

Gesamtzahl aller Einpendler nach Freiburg Stadt (Stand Juni 2017): 67.551

Quelle: Bundesagentur für Arbeit Statistik

Viele Menschen würden lieber heute als morgen eine Immobilie in Freiburg kaufen. Wie können diese Menschen sinnvoll ihre Wartezeit nutzen?

Manuela Weigel: Während der Suche ist es auf jeden Fall sinnvoll, sich mit der Immobiliensituation insgesamt zu beschäftigen. Was kosten Häuser und Wohnungen in verschiedenen Lagen? Wie hoch sind die Quadratmeterpreise mit Blick auf die verschiedenen Baujahre? Des Weiteren sollte man auf jeden Fall die Zeit nutzen, um sich sein Budget von der Bank absegnen zu lassen. Gerade wenn man auf der Suche nach einer gebrauchten Immobilie ist, mache ich immer wieder die Erfahrung, dass Geschwindigkeit das A und O ist. Am besten, man lässt sich von seiner Bank eine Finanzierungsbestätigung über das zur Verfügung stehende Budget ausstellen. Viele Makler legen darauf Wert – und dann ist man auf jeden Fall schon mal in der Poleposition.

Vielen Dank für das Gespräch.

Kurzvita – Manuela Weigel
Manuela Weigel leitete von 2011 bis 2017 die Abteilung Wohnbaufinanzierung bei der Volksbank Freiburg und ist seit Anfang 2018 Bereichsleiterin ImmobilienCenter und Direktorin. Durch ihre langjährige Erfahrung kennt die überzeugte Regionalbankerin die Immobilienbranche in der Region Freiburg, Schwarzwald und Kaiserstuhl bestens. Eine Baufinanzierung passend zum Leben und den Wünschen ihrer Kunden zu ermöglichen, bezeichnet die 37-Jährige als Motor für den Erfolg ihres Teams. „Ich möchte ihnen mit Tipps und Tricks Orientierung geben, damit sie jede Chance nutzen, um sich ihre Immobilienträume zu erfüllen!“

Interview Manuela Weigel Teil 1: Immobilienfinanzierung: Beratung wichtiger als Zinskonditionen
Interview Manuela Weigel Teil 2: Immobilienmarkt Freiburg: Wenn Attraktivität zum Problem wird
Interview Manuela Weigel Teil 3: Baufinanzierung für Grenzgänger: Das müssen Sie wissen!
Interview Manuela Weigel Teil 4: Makler & Co.: „Profis einschalten lohnt beim Immobilienverkauf“

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