Nur Bares ist Wahres! Immer noch?

Das Thema Bargeld und seine mögliche Abschaffung wird immer wieder diskutiert – in Deutschland wird diese Diskussion oft hoch emotional geführt. Woran liegt das und welche Faktoren haben Einfluss auf des Deutschen liebstes Kind?

Fakt ist: Es gibt immer noch Bargeld. Zumindest von einem Schein müssen wir allerdings Abschied nehmen: Die Europäische Zentralbank hat die Abschaffung des 500-Euro-Scheins zum Jahresende 2018 beschlossen. Für die Mehrheit der Bevölkerung sicherlich verschmerzbar, da sie diesen Schein sowieso nicht oft in der Hand hatte. Oder könnten Sie ohne nachzusehen die Farbe des Scheines benennen?

Der 500-Euro-Schein ist weltweit einer der Scheine mit dem höchsten Wert. Die EZB möchte mit seiner Abschaffung die Möglichkeiten zur Geldwäsche weiter eindämmen. Die im Umlauf befindlichen Scheine behalten aber ihre Gültigkeit und werden auch nach Ende 2018 noch von den Banken angenommen und in kleinere Scheine umgetauscht.

Weiter in der Diskussion ist eine Obergrenze, bis zu welcher Geschäfte in bar abgewickelt werden können. Hier ist noch kein endgültiges Ergebnis abzusehen. Gleichwohl sind Deutschland und Österreich zwei der wenigen Länder in Europa, in welchen es keine solchen Beschränkungen gibt. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich dies ändert, ist daher recht hoch.

Deutschland ist eines der wenigen Länder in Europa, in denen es keine Obergrenze für die Abwicklung von Geschäften in bar gibt

Prognosen gehen davon aus, dass der Anteil an Barzahlungen weiter sinken wird. Wesentlicher Treiber ist hierbei die steigende Zahl an Online-Einkäufen. Aber auch wer im stationären Handel oder in Gaststätten und Hotels bezahlen will, wird verstärkt auf neue Möglichkeiten des bargeldlosen Bezahlens stoßen.

Zuletzt wurde das kontaktlose Bezahlen eingeführt. Neue Bankkarten sind nur noch an das Zahlterminal zu halten, um den Zahlungsvorgang auszulösen. Ein Einstecken der Karte in das Terminal ist nicht mehr notwendig. Diese Funktion ist bis 25 Euro sogar ohne Eingabe der PIN möglich. In anderen Ländern, beispielsweise in Österreich, ist das kontaktlose Bezahlen nicht mehr an die Bankkarte gekoppelt, sondern man kann den Chip auch auf einem Aufkleber erhalten, den man sich zum Beispiel unter die Armbanduhr oder an ein Schmuckstück klebt.

Wesentlicher Treiber bei der Verdrängung von Barzahlungen ist die steigende Zahl an Online-Einkäufen.

Erste Gehversuche macht das Bezahlen per Smartphone: Die großen Supermarktketten, Tankstellen, Drogerien und Parfümerien bieten hier mit unterschiedlichsten Partnern  Lösungen an. Diese funktionieren entweder über QR-Codes, die über die Displays der Telefone und der Zahlungsterminals abgeglichen werden, oder über einen Funkchip, der die Daten vom Telefon an die Kasse überträgt.

Eine weitere Entwicklung ist das Bezahlen per Email. Hier erfolgt der Übertrag über eine simple Mail, die im Hintergrund einen Transfer von einem Kreditkartenkonto auf ein anderes veranlasst. Eine ähnliche Funktion ist übrigens in der Banking-App der Volksbank bereits verfügbar. Hier kann man ohne weitere Angaben, wie beispielsweise der IBAN, Gelder transferieren. Einzige Voraussetzung ist, dass der Empfänger ebenfalls in der VR-Banking App angemeldet ist.

Inwieweit sich welches System durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Den Gang an die Kasse ersparen sie alle bisher noch nicht. Wesentlicher Nutzen ist eine zeitliche Ersparnis gegenüber der Barzahlung. Die Visionen gehen aber darüber noch hinaus. Technisch möglich wäre es bereits, dass Kunden mit Betreten eines Ladens registriert werden, über das Smartphone zu ihren Lieblingsprodukten geführt werden, sich nehmen, was sie wollen und der Zahlungsbetrag ihnen bei Verlassen des Ladens automatisch belastet wird.

Egal welche Verfahren sich durchsetzen werden: Jedes wird seinen Teil dazu beitragen, dass gute alte Bargeld zu verdrängen. Ob die Wirtschaft ganz ohne Bargeld kommt, bleibt fraglich. Wahrscheinlich wird es sein wie mit dem papierlosen Büro: Es bleibt eine Vision.

P.S.: Der 500-Euro-Schein ist übrigens lila…

Jens Mutter

kam 1992 zum Studieren nach Freiburg und wollte danach nicht mehr weg. Er ist seit 1999 bei der Volksbank Freiburg und berät hier Firmenkunden. Unternehmertum beweist er auch selbst als Teilhaber eines Einzelhandelsgeschäfts und Cafés in der Freiburger Innenstadt.

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