Was passiert eigentlich auf einer Vertreterversammlung?

Im Juni hat die jährliche Vertreterversammlung der Volksbank Freiburg eG stattgefunden. Doch was ist überhaupt der Zweck einer Vertreterversammlung? Und wieso ist das genossenschaftliche Prinzip auch heute noch so aktuell?

Das eG im Name verrät es – wie alle Volksbanken ist auch die Volksbank Freiburg eine eingetragene Genossenschaft. Die Basis jeder Genossenschaft sind ihre Mitglieder, die über ihr Stimmrecht das Geschehen in der Bank beeinflussen können. Die Volksbank Freiburg hat davon über 43.000. Die Mitglieder sind dabei nicht nur Kunden, sondern auch gleichzeitig Inhaber von Genossenschaftseinlagen und somit Miteigentümer der Bank. In der Satzung der Volksbank Freiburg ist die wirtschaftliche Förderung der Mitglieder fest im Zweck der Genossenschaft verankert.

Was dem Einzelnen nicht möglich ist, das vermögen viele
— Friedrich Wilhelm Raiffeisen

Die Mitglieder wählen alle vier Jahre Vertreter, die die Interessen der Mitglieder als ausgewählte Repräsentanten gegenüber der Bank vertreten. Derzeit gehören 219 Vertreter und Vertreterinnen diesem Gremium an, das jährlich auf der Vertreterversammlung zusammenkommt. Dabei kam bei der letzten Vertreterwahl erstmals eine reine Online-Wahl zum Einsatz.

Die Vertreterversammlung beschließt wichtige Angelegenheiten der Genossenschaftsbank, wie beispielsweise die Feststellung des Jahresabschlusses, die Verwendung des Jahresüberschusses und Änderungen der Satzung.

Vorteil Genossenschaftsverbund
Die Kooperation der Unternehmen der FinanzGruppe untereinander ist das Fundament für das Allfinanz-Angebot der Volksbanken. Die Volksbank Freiburg kann dadurch ihre Kernaufgabe der ganzheitlichen Beratung bestmöglich wahrnehmen und auf ein breites Portfolio an Leistungen der Verbundpartner zurückgreifen. Dabei gehören die Partner meist zu den Marktführern in ihrem Segment. Weitere Informationen.

Das Gremium bestimmt zudem über die Entlastung des Vorstands und des Aufsichtsrats, wie man es auch von Hauptversammlungen einer Aktiengesellschaft kennt. Zusätzlich werden hier auch die Aufsichtsratsmitglieder gewählt. Die Regelungen zum Vertreteramt und zur Vertreterversammlung sind in der Satzung festgelegt.

Uwe Barth, Vorstand der Volksbank Freiburg
Vertreter der Volksbank Freiburg bei der Abstimmung

Das genossenschaftliche Grundprinzip reicht weit ins 19. Jahrhundert zurück. 1843 gründeten 50 Bürger im württembergischen Öhringen die erste Kreditgenossenschaft unter dem Namen “Öhringer Privatspar- und Leihkasse“, die heute noch unter dem Namen Volksbank Hohenlohe existiert. Die Volksbank Freiburg wurde nur 23 Jahre später im Jahr 1866 von Handwerkern und Bauern gegründet, die ihre Geldgeschäfte selbst in die Hand nehmen wollten.

Heute sind über 22,6 Millionen Menschen Mitglied in einer der rund 8.000 Genossenschaften, die es in Deutschland gibt. Weltweit sind es weit über 1 Milliarde Mitglieder. Getreu dem Motto “Was dem Einzelnen nicht möglich ist, das vermögen viele“, nach Friedrich Wilhelm Raiffeisen verfolgt jede Genossenschaft ein gemeinschaftliches Ziel und ist demokratisch nach dem Prinzip „ein Mitglied, eine Stimme“ organisiert.

In einer Zeit tiefgreifender wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Umbrüche hat Friedrich Wilhelm Raiffeisen für seine Mitmenschen Verantwortung übernommen und gezeigt, was das Engagement des Einzelnen und die Solidarität vieler gerade in schwierigen Zeiten bewirken können.
— Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Schirmherr des Raiffeisen-Jahrs

Neben Kreditgenossenschaften wie der Volksbank Freiburg gibt es bekannte und erfolgreiche Dienstleistungsgenossenschaften, beispielsweise REWE oder EDEKA. Aber auch in der Landwirtschaft oder bei Energieversorgern ist das Modell weit verbreitet, wie beispielweise hier der Region die Elektrizitätswerke Schönau.

Doch was macht Genossenschaften so erfolgreich und bis heute aktuell? Gerade in einer sich schnell wandelnden und zunehmend unsicheren Welt besteht großer Bedarf an Verlässlichkeit und Sicherheit. Vor allem Ereignisse wie die Finanzkrise 2009 haben gezeigt, wie wichtig eine stabile und starke Gemeinschaft sein kann.

Denn Spekulationsgeschäfte verbieten sich für genossenschaftliche Kreditinstitute von selbst – ihr im Genossenschaftsgesetz verankerter Förderauftrag ist nur einem Ziel verpflichtet: Dem Wohl und der Förderung der Mitglieder.

200 Jahre Raiffeisen
„Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele“, ist wohl das bekannteste Zitat – Friedrich Wilhelm Raiffeisen lebte im 19. Jahrhundert –  in einer Zeit, die von tiefer sozialer Spaltung geprägt war. Viele Bauern und Handwerker konnten die Kredite für den Einkauf ihrer Rohstoffe nicht mehr finanzieren. Missernten und Hungersnöte plagten die Bevölkerung. Als Raiffeisen Bürgermeister im Westerwald wurde, handelte er. Er gründete Darlehensvereine und überzeugte die Menschen, sich gegenseitig mit Krediten zu helfen. Was der Vordenker damals sicher noch nicht ahnte: Er setzte damit eine weltweite Bewegung in Gang. In diesem Jahr wäre Raiffeisen 200 Jahre alt geworden – Anlass genug das Raiffeisen-Jahr 2018 zu feiern.

Das bedeutet gleichzeitig, dass alles, was den Fortbestand der Organisation und den Förderauftrag gefährden könnte, der Genossenschaft per se untersagt ist.

Dennoch können Genossenschaften erfolgreiche Unternehmen sein, denn Wettbewerbsfähigkeit und markgerechte Angebote entsprechen dem Förderauftrag. Im Gegensatz zu einer Aktiengesellschaft steht bei einer Genossenschaft jedoch nicht die Gewinnmaximierung im Vordergrund, sondern der Zweck, der Fortbestand und die Leistungen der Organisation für und mit ihren Mitgliedern.

Einlagensicherheit im Verbund
Zusätzlich zu der gesetzlichen Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Einleger je Bank sind bei der Volksbank Freiburg die Einlagen (Spareinlagen, Sparbriefe, Termineinlagen und Sichteinlagen) durch ein freiwilliges Sicherungssystem des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) über die 100.000 Euro hinaus geschützt.

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

16 − fünfzehn =