Wie überzeuge ich als Gründer meine Bank

Wie können Existenzgründer im Kreditgespräch persönlich und fachlich punkten? Tipps dazu gab es von Thorsten Bannwarth, Firmenkundenberater bei der Volksbank Freiburg, in einem Vortrag im Rahmen der Freiburger Gründertage. Hier die wesentlichen Punkte in kompakter Form zum Nachlesen.

Als Basis für eine Gründungsfinanzierung müssen für die Bank drei Dinge passen: die Geschäftsidee, das Eigenkapital und Sicherheiten sowie die Unternehmerpersönlichkeit.

Die Unternehmerpersönlichkeit

Dazu gehört zunächst einmal die nötige Fachkompetenz:

  • Haben Sie eine fachspezifische Ausbildung bzw. ein Studium?
  • Kennen Sie den relevanten Markt und seine Mechanismen?
  • Haben Sie den Überblick über aktuelle Entwicklungen?
  • Können Sie Risiken realistisch abschätzen?

Der zweite wichtige Faktor ist strategisches Denken:

  • Welche Visionen haben Sie?
  • Was ist Ihre Motivation?
  • Wie stellen Sie Ihr Unternehmen strategisch auf?
  • Was planen Sie auch über das laufende Jahr hinaus?

Wichtig für einen angehenden Unternehmer ist natürlich betriebswirtschaftliches Know-How:

  • Sind Sie in der Lage, Businesspläne und Kapitalbedarfsrechnungen zu erstellen?
  • Setzen Sie sich mit den Zahlen des Steuerberaters auseinander?
  • Aber auch: Wie geht Vertrieb?

Weitere wichtige Eigenschaften eines erfolgreichen Unternehmers sind Führungsqualitäten, die Fähigkeit zur Selbstreflexion, Glaubwürdigkeit und nicht zuletzt eine Familie, die das Vorhaben unterstützt.

Die Geschäftsidee

Für die Bank ist wichtig zu sehen, das die Geschäftsidee gut durchdacht ist und alle notwendigen Berechnungen gemacht wurden.

Dazu gehören Überlegungen über den Standort und die Rechtsform des Unternehmens sowie eine SWOT-Analyse. Im Bankgespräch sollten Sie unbedingt darlegen können, wie sich Ihr Produkt von anderen unterscheidet, welche Stärken und Schwächen es hat und welche Chancen und Risiken sie darin sehen. Sie sollten ihren Markt gut kennen: Wer sind Ihre Kunden, wie ist die Wettbewerbssituation und wie wird sich der Markt künftig entwickeln? Außerdem sollten Sie einen Plan haben, wie Sie Ihre Kunden erreichen wollen, wie der Vertrieb aufgebaut wird und wie Sie ihre Preise kalkulieren.

Folgende Berechnungen sollten Sie vorlegen können:

Übersicht über die zu tätigenden Investitionen, Gründungskosten und Anlaufkosten (Betriebskosten der ersten Monate, Werbeaufwand etc.)

Stellt dar, wie der nötige Kapitalbedarf finanziert wird (eigene Mittel und Fremdmittel)

Ist das Vorhaben rentabel und ab wann? Erträge und Aufwendungen eines Geschäftsjahres werden gegenübergestellt. Ab dem 3. Jahr sollten Sie im Plus sein.

Hier werden Einnahmen und Ausgaben eines Geschäftsjahres auf Monatsebene gegenübergestellt und die jeweils verfügbaren finanziellen Mittel ausgewiesen („Kontoauszug der Zukunft“)

Eigenkapital und Sicherheiten

Zum Eigenkapital gehören neben Barvermögen und Sparguthaben Sacheinlagen, Eigenleistungen, Schenkungen, Zuschüsse und Verwandtendarlehen. Als Faustregel gilt, dass das Eigenkapital mindestens 20 Prozent einer Finanzierung ausmachen sollte.

Das vorhandene Eigenkapital hat verschiedene Funktionen:

  • Indikator für finanzielle Stabilität und Risikolage des Unternehmens
  • Puffer bei Verlusten
  • Reduktion von Fixkosten (Zinsen)
  • Unabhängigkeit von Frendkapitalgebern
  • Höhere Attraktivität für Fremdkapitalgeber

Zu den möglichen Sicherheiten gehören Immobilien, Lebensversicherungen, (Bau-)Sparguthaben, Wertpapierdepots und persönliche Bürgschaften. Wichtig: Kein gutes und überzeugendes Vorhaben scheitert an fehlenden Sicherheiten!

Und noch ein paar Tipps…

Um Ihre Bank zu überzeugen und als Unternehmer erfolgreich zu sein, beherzigen Sie außerdem folgende HInweise:

  • Erstellen Sie Ihren Businessplan sorgfältig und umfassend. Nutzen Sie die Hilfe externer Berater, aber: kennen Sie Ihre Zahlen!
  • Analysieren Sie die Chancen und Risiken des Marktes und arbeiten Sie Ihr Alleinstellungsmerkmal deutlich heraus
  • Setzen Sie ausreichend Eigenkapital ein und nutzen Sie öffentliche Fördermittel.
  • Wenn Sie Fördermittel nutzen möchten, kommen Sie rechtzeitig. Gehen Sie vor Antragstellung keine verbindlichen Rechtsgeschäfte ein.
  • Betreiben Sie Bankmarketing! Informieren Sie die Bank rechtzeitig, laufend und umfassend. Kredit heißt Vertrauen.
  • Vermeiden Sie prestigeträchtige Investitionen. Schonen Sie Ihre Liquidität.
  • Auch Leasingverbindlichkeiten sind Schulden.
  • Betreiben Sie Risikomanagement! Sichern Sie sich gegen Risiken, die für Sie, Ihre Familie und Ihr Unternehmen gefährlich werden können.

Und nun wünsche ich Ihnen viel Erfolg für Ihre Unternehmensgründung!

Thorsten Bannwarth

Thorsten Bannwarth ist Abteilungsleiter Geschäftskunden bei der Volksbank Freiburg und betreut neben gestandenen Unternehmern auch Gründungswillige. Gebürtig ist er ein “Freiburger Bobbele”, wohnt aber mittlerweile in Lörrach. Seine Freizeit verbringt er vor allen Dingen mit seiner Frau und seinen Töchtern. Wenn es die Zeit zulässt, zieht es ihn in die Natur zum pflanzen, ernten, Holz schlagen, wandern, klettern, laufen und campen.

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