Wohnen im Alter: Besser heute schon an morgen denken

Im Alter lässt die Beweglichkeit nach, die Mobilität nimmt ab und die Hilfsbedürftigkeit steigt. Aber eines bleibt: der Wunsch nach einem selbstbestimmtem Leben in den eigenen vier Wänden. Damit dieser Wunsch in Erfüllung geht, müssen die Planungen schon früh beginnen. Warum das so ist und was die neue Wohnimmobilien-Kreditrichtlinie damit zu tun hat, lesen Sie hier.

Das eigene Zuhause steht wie kaum etwas anderes für Lebensqualität – und das in jedem Alter. Diese Lebensqualität wollen wir uns so lange erhalten wie möglich. Für viele Menschen ist es deshalb eine unangenehme Vorstellung, später einmal die gewohnte Umgebung gegen eine Senioreneinrichtung tauschen zu müssen.

Vielmehr wollen wir selbst entscheiden, wie wir im Alter wohnen und leben möchten. Der Freiburger Immobilien-Experte Karl-Jörg Gisinger kennt das aus seiner Beratungspraxis: „Der Trend geht ganz klar dahin, dass die Menschen möglichst lange in ihren Wohnungen leben möchten und das berücksichtigen wir.“ Er ergänzt: „Die Rentner sind heutzutage meist fit und möchten ihr Leben im Alter genießen und selbst bestimmen.“ (Zitat im Original erschienen 2017 auf zukuenfte.de)

Nachfrage nach altersgerechtem Wohnraum steigt!

Die  Zahlen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) sprechen eine deutliche Sprache. Nach aktuellen Berechnungen der Behörde werden bis zum Jahr 2030 rund 18,4 Millionen Haushaltsvorstände älter als 60 Jahre sein. Das entspricht einem Zuwachs von 29 Prozent seit 2010. Die Haushalte, in denen der Vorstand über 75 Jahre ist, werden sogar um 38 Prozent auf über sieben Millionen Haushalte steigen. Dagegen nehmen die jüngeren Haushalte im selben Zeitraum um 12 Prozent ab. Da gleichzeitig aber immer mehr Wohnraum pro Kopf in Anspruch genommen wird, rechnet das BSSR absolut mit einer weiteren Zunahme von Ein- und Zweipersonenhaushalten (+10 Prozent). Überproportional darin enthalten sind kleine Wohnungen, die von Senioren genutzt werden. Und das ist keine Zukunftsmusik – sondern bereits in zwölf Jahren Realität!

Die gute Nachricht: Wer jetzt reagiert, profitiert gleich vierfach

  1. Mit einem altersgerechten Haus bzw. einer Wohnung sorgen Immobilienbesitzer selbst für das Alter vor.
  2. Investitionen in die altersgerechte Modernisierung und Sanierung einer Immobilie erhalten langfristig deren Wert.
  3. Die Nachfrage nach altersgerechtem Wohnraum steigt aufgrund der Altersentwicklung. Entsprechend ausgestattete Objekte sind auf dem Mietmarkt begehrt.
  4. Die KfW-Bank gewährt spezielle Kredite und Zuschüsse für den altersgerechten Umbau und die Sanierung von Wohneigentum. Diese beantragen Sie mit Hilfe Ihrer Hausbank.

Alarmierend werden die Daten des BBSR, wenn man ein zweites Ergebnis hinzuzieht: Demnach sind aktuell erst zwei Prozent aller deutschen Wohnungen bzw. Häuser altersgerecht ausgestattet.
In Relation zum Bedarf klafft hier laut BBSR eine bereits bestehende und künftig noch wachsende Versorgungslücke an altersgerechtem Wohnraum

Altersgerecht wohnen – entscheidend sind die richtigen Rahmenbedingungen

Was bedeutet das Schlagwort „altersgerechter Wohnraum“ eigentlich konkret? Zunächst bezieht sich der Begriff auf die Ausstattung der jeweiligen Wohnung bzw. des Hauses. Hier steht insbesondere die Barrierefreiheit im Vordergrund.

Altersgerecht ausgestattet sind Immobilien, die …

… über einen ebenerdigen Zugang oder geeignete Hilfsmittel verfügen, die auch bewegungseingeschränkten Personen den Zutritt ermöglichen (Rampen, Treppenlifte o. ä.)

… ausreichende Türbreiten haben, um beispielsweise mit Hilfe eines Rollators oder Rollstuhls problemlos Räume wechseln zu können.

Ebenerdiger Eingang mit breiten Türen
Badezimmer altergerecht sanieren: ohne Stufen und gefährliche Stolperfallen

… bodengleiche Duschen, rutschhemmende Fliesen, ein leicht bedienbares und mit idealer Sitzhöhe ausgestattetes WC, einen unterfahrbaren Waschtisch sowie Haltegriffe im Bad vorsehen.

… unterfahrbare Arbeitsflächen in der individuell passenden Höhe sowie leicht zugängliche Schränke in der Küche haben.

… viel Bewegungsfreiheit rund um das Bett sowie Schränke bzw. Kleiderstangen im Schlafzimmer vorsehen, die über entsprechende Griffhöhen verfügen.

… neben der geeigneten technischen Ausstattung (z. B. ausreichende Beleuchtung) gegebenenfalls eine Anbindung an einen lokalen Pflegedienst haben, der im Notfall einfach verständigt werden kann.

Ohne Hindernisse durch die Wohnung

Auf Wohnumfeld achten

Zum anderen sollte aber auch das Wohnumfeld, also die Umgebung der Immobilie, den speziellen Ansprüchen entsprechen.

Zu solch externen Umgebungsfaktoren zählen beispielsweise:

  • Sichere, barrierefreie Gehwege und Straßenüberquerungen.
  • Die Nähe zur Praxis eines Allgemeinmediziners.
  • Eine geeignete Infrastruktur in der unmittelbaren Umgebung, die beispielsweise den Einkauf frischer Lebensmittel oder das Einlösen von Arztrezepten ermöglicht.
  • Die gute Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr (Buslinien, Straßenbahn oder U-Bahn), um bequem ins Stadtzentrum zu gelangen.
  • Geeignete Freizeit- und Aufenthaltsmöglichkeiten, wie beispielsweise Parks oder Sitzmöglichkeiten in angenehmem Ambiente.
Barrierefrei in der Umgebung unterwegs

Neue Wohnimmobilienkreditrichtlinie erschwert älteren Personen den Kreditzugang

Es klingt banal, ist aber wichtig: Wer auch im Alter das gewohnte Umfeld nicht verlassen möchte, sollte mit den entsprechenden Planungen früh beginnen.

Dafür ausschlaggebend ist insbesondere die seit März 2016 auch in Deutschland geltende Wohnimmobilienkreditrichtlinie (WIKR).
Die WIKR führt dazu, dass Personen ab einem bestimmten Alter nur noch schwer Darlehen bei ihrer Bank erhalten. Hintergrund: Während vor Einführung der EU-Richtlinie lediglich die IST-Situation eines Darlehensnehmers geprüft wurde, muss die kreditgebende Bank jetzt auch die zukünftige Einkommenssituation beurteilen und in die Entscheidung einbeziehen. Eine wichtige Frage dabei lautet: Kann der Kreditnehmer die Darlehensraten voraussichtlich auch noch nach dem Renteneintritt bedienen?

Somit betrifft die WIKR nicht nur Rentner, sondern auch Kreditnehmer, die langfristige Finanzierungen abschließen und das Darlehen nach dem Ausscheiden aus dem Arbeitsmarkt bedienen müssen. Experten gehen davon aus, dass seither bis zu 25 Prozent weniger Immobilienkredite vergeben wurden. Der Immobilienverband (IVD) kritisierte deshalb schon 2016 in einem Positionspapier, dass Interessierte über 60 Jahren kaum noch Kredite bekämen.

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